HEIL

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70 Torsos aus laminierten Röntgenbildern + 1 Torso aus purem Gold
Borgo Ensemble Nürnberg, Oktober 2015
www.vimeo.com/158924988

 

Photografien von Walter Schneider und Michael Zirn, http://www.michael-zirn.de

Synonym – zur Arbeit „HEIL“ der Bildenden Künstlerin Eva Brenner von Nora Gomringer

Im Jahr 1895 entdeckte Wilhelm Conrad Röntgen die Möglichkeit mit Hilfe elektromagnetischer Wellen ins Innere des Körpers zu blicken und dort Knochenbrüche, Entzündungsherde, Atrophien oder Wachstumsformen, Anomalien und den statistischen Normzustand zu entdecken. Sein Einblick wurde zum medizinischen Durchblick eines ganzen Jahrhunderts. Die nach ihm benannte „Röntgenstrahlung“ trifft nahezu jeden Menschen der sogenannten ersten Welt einmal – wenn nicht viele Male mehr – im Laufe eines Lebens.

Vom Ein- und Durchblick bleibt in der Regel ein Faktotum, ein Röntgenbild. Noch heute auf Folien bestimmter leicht grüner Färbung festgehalten, ergibt das Patienteninnere „eine zweidimensionale Darstellung einer dreidimensionalen Angelegenheit“. So beschreibt es Eva Brenner, die seit vielen Jahren fasziniert ist von dieser Logik.

Die Bildende Künstlerin ist Rollstuhlfahrerin. Dass ich an dieser Stelle nicht schreibe, dass Eva Brenner im Rollstuhl sitzt, ist die Folge meiner Begegnungen mit dieser durchweg beeindruckenden und überaus aktiven, beweglichen Frau. Sitzen ist zu passiv für eine Künstlerin, die trotz der sitzenden Position dem Kunstmarkt auf Augenhöhe begegnet und Schulter an Schulter mit den „playern“ der regionalen – sie wohnt in Nürnberg – und der internationalen Szene diskutiert und konkurriert. Eine Weile habe ich mit mir gerungen, ob ich Eva Brenner in diesem Text beschreiben soll, ob ihre MS-Erkrankung, die zu zunehmenden Einschränkungen ihrer Bewegungsabläufe führt, eine Rolle spielt, aber die Künstlerin selbst bot die Antwort in einem Gespräch: „Es scheint mir, als sei ich körperblind. Als hätte mein Geist nicht mitbekommen, dass ich ein Mensch in einem Körper bin, der verschiedene Veränderungen hinnehmen muss. Geist, Seele und Sinne sind wach und agil.“ In dieser Dichotomie lebt Brenner, ihre Kunst ist biographisch, aber nicht streng autobiographisch.

Sicher lädt sich die mehrteilige Arbeit „HEIL“ der Künstlerin durch diese Information nun anders mit Bedeutung auf. Mehr Wissen schließt uns mehr Welt auf. Wahrscheinlich hat das einmal ein kluger Kopf so oder ähnlich bereits formuliert. Trotzdem will dieser Text einiges mehr als einer Künstlerin ihr Werk auf den Kopf zusprechen. Er will die Gedankenwelt der Eva Brenner aufzeigen, die als Künstlerin arbeitet und der Welt damit die Themen reflektiert, die diese ständig oder zu selten verhandelt.

Was aber ist „HEIL!“? Nach rhetorischer Lehre ist es kunstvoll an dieser Stelle mit der Gegenfrage zu antworten: Was ist es nicht? Zunächst ist es in der deutschen Sprache ein Wort, ein Adjektiv, das die Frage nach dem wie es um etwas bestellt ist, erschließt. Es ist nicht kaputt, also ist es heil. Es ist ganz, nicht aufgegliedert oder gar gewaltsam zersprengt in einzelne Teile. Das lateinische „salus“, das Heil, spricht aus ihm.  Ein Mediziner würde anders formulieren als ein Philosoph. Ganzheitlichkeit, Gänze als tiefste Wesenseigenschaft, körperliche Unversehrtheit und ja, medizinisch betrachtete Gesundheit – ein Funktionieren aller körperlichen Abläufe bei gleichzeitiger Schmerz- und Einschränkungsfreiheit, das ist das lateinische und das wohl allseits erstrebte Heil. Auch das Seelenheil ist im Wortfeld. Die großen Weltreligionen erlösen durch die Lehre von der Passion im Leben zum ewigen Heil, manchmal in einem kaum definierten Paradies vermutet. Grüsste man Caesar in seiner Zeit, den legendären römischen Feldherren und späteren Kaiser des riesigen römischen Reiches, so nutzte der Sprecher die Formel „Ave, Caesar!“ die heute mit „Heil Dir, Caesar!“ übersetzt wird. Und von dieser Formel hat auch Adolf Hitler den Hitlergruß eingefordert. „Heil, Hitler!“, verbunden mit einer entsprechenden Geste und dem Hackenknallen der Uniformierten schallte verheerend durch das kriegsgeschüttelte Europa in den 30er und 40er Jahren des letzten Jahrhunderts. Wer sich heute noch verbunden zeigt mit dem Gedankengut der Nazis bringt den Hitlergruß mit dem artikulierten Heilswunsch für den toten Verbrecher in den öffentlichen Raum. Dort entflammt der offiziell verbotene Gruß immer wieder Diskussion und Unsicherheit. Das demokratische Gefüge wird ob seiner Tektonik geprüft und seit 1945 für stabil befunden. Worte und Gesten können uns vermeintlich nichts mehr anhaben. Und doch…

Das Wort „heil“ löst bei einer Spracharbeiterin wie mir genau diese Fragen nach Tektonik aus. Wie ist unsere Sprache geschichtet, wie ihr Gebrauch seit ihrem Missbrauch oder im anhaltenden Missgebrauch? Welche Bedeutungen überlagern sich, lagern sich ab, werden obsolet, verschwinden, sind verzichtbar, tauchen – vergangen geglaubt – wieder auf? Welche Wörter sind Mahnmale, lösen jetzt und für lange Zeit Betroffenheit, Erinnerungen, Fragen mit Antworten, die im Inneren liegen, aus? Krank, das Gegenteil von heil, alarmiert in ähnlich drastischem Ausmaß.

HEIL von Eva Brenner ist eine Kontemplation bei gleichzeitiger Konfrontation mit dem Wort in seinem wörtlichen wie auch übertragenen Sinne.

49 Torsi, nach den Maßen der Künstlerin gestaltet, stehen als eine Phalanx im Raum, bilden eine Front aus Tripoden, aus kopflosen Körpern. Die Schneidermeisterin Eva Brenner hat ihre Torsi-Avatare mit eigenen und fremden Röntgenbildern bekleidet, vielmehr bilden die starren, zusammengenieteten Folien die Körperformen nach und das Lebenswichtige wird auf einmal schmückendes Ornament. Je kaputter die Knochen auf den Aufnahmen, desto extravaganter der Effekt. Abbildung wird Kleid, Kleid trägt Bedeutung, Bedeutung wird Aussage. Jeder Torso erhält eine Identifikationsnummer auf goldener Plakette um den Hals. Auch Avatare wollen bei aller Gestaltungsindividualität nachverfolgt sein. Angeliefert werden sie in den für sie gestalteten Boxen mit dem mächtigen Schriftzug, den Brillo Boxen Warhols nachempfunden, der keinen Zweifel lässt: Heil wird hier angepriesen. Uniformität bei gleichzeitiger Individualisierung geht als Thema ebenso unter die Betrachterhaut wie Masseneffekt  und Inszenierung.

Eine zweite 22 Figuren starke Gruppe befindet sich nahe den 7×7 Torsi. Mit ihnen wir die „Erschießung der Aufständischen“ von Francisco de Goya nachgestellt. Ein Torso in reinem Gold, beleuchtet, steht seitlich zum Betrachter, ihm gegenüber mit dem Rücken zum Publikum 8 Füsilanten. In dieser Gruppe sind die Avatare der Eva Brenner mit einer Kennziffer auf silbernem Label am rechten Oberarm  versehen.

Das Bild von 1814, an das sch die Künstlerin anlehnt, ist als Symbol, im wörtlichen Sinne synonym geworden für das Verurteilen von Gewalt und Gegengewalt und hat zahlreiche Nachahmer in der Kunstgeschichte gefunden. Die Künstlerin selbst nennt Manets, Dix’, Picassos und Yue Minjuns Interpretationen als prägend für die Rezeption des Topos.

Mit der zweiten Gruppe kommen direkter historischer Bezug in die Großinstallation und die Forderung nach Gerechtigkeit und Civilcourage, gerichtet an die Generationen der Zukunft. Die Betrachtung der ersten Gruppe lässt viel generellere Gedanken um die Tragik der Kategorisierungen zu. Heil oder krank, das war der Nerodaumen und entschied in Zeiten des Nationalsozialimus über Lebenswertheit oder Tötung, allein um,  – wie es haarsträubend formuliert wurde – die Gesamtheit des Volkskörpers gesund zu erhalten.

Sich als Betrachter um zwei Werkkörper zu bewegen, die Versehrtheit zum Thema machen, dabei aber unter anderer, nämlich „heiler Hand“ firmieren, ist eine gewollte Verwirrung mit der die Künstlerin elegant zu spielen versteht. Eine Künstlerin, die – wie geschildert – eine Expertise zum Thema entwickelt hat, wie man vermeint. Da Brenner selbst Behinderung als Lebensthema hat, ist es schmerzlich, ja, direkt schmerzhaft für den nicht ebenso Betroffenen, die unmittelbare Konfrontation zu erleben. Dabei entsteht ein Übertragungsfehler, wie er in der Literatur nur allzu häufig ist: Autor wird Protagonist. Oder wie hier: Urheber wird Darstellung. Sobald in diese Gedankenfalle getappt, muss man sich aus ihr selbst befreien, sonst endet die eigene Betrachtung in der Sackgasse des Mitleids und die Übertragung auf den eigenen Handlungsspielraum entfällt. So wäre es zu einfach!

Gesundheit ist ein schwer zu definierender Zustand. Krankheit ist einfacher. Schon das Bauchgefühl teilt einem mit, dass etwas nicht stimmt. Gesund sind wir, wenn alles gut ist und rar sind die Momente, an denen wir mit Zufriedenheit registrieren, dass alles in Ordnung ist, wir gesund, schmerzfrei sind, Das HEIL der fragmentierten und nur durch serielle Ordnung zur Festigkeit im Kollektiv bestimmten Körper der Eva Brenner halten Stellung als Mahner. Allein die Verwendung des Begriffes in einer deutschen Stadt, dazu in Nürnberg, wo die Rassengesetze der Nationalsozialisten verabschiedet wurden, ist immer noch eine Provokation. Allen die Anmaßung der Beurteilung dessen, was als HEIL gelten kann, entflammt die Gesellschaft immer wieder, denn es ist ein intimes Ganzes, das Heil-Sein.

Wo diese stummen Mahner aufmarschieren und auch einem Frauenkörper ein vielmaliges Erscheinen schenken, sind alle gefordert, Stellung zu beziehen. Und Stellung das ist Haltung. Und schon sind wir sprachlich konkret. Keiner ist wegzudenken, wer da ist, hat das Leben und – nach christlicher Lehre – ist Heil: Leben.

Als mir die Arbeit von Eva Brenner zum ersten Mal beschrieben wurde, musste ich an die Schilderung der Truppen der Hexe Xaide aus Michael Endes „Die unendliche Geschichte“ denken, die bewegt, allein durch die Willenskraft ihrer Herrin, Dienste verrichten. Gedanken an die Golem-Thematik, die Willenlosigkeit bei gleichzeitigem Wunsch nach Führung des Einzelnen in einer Menschenmasse, Demokratie und Diktatur, Gänze und Teilung, Gesundung, Erkrankung und Heilung, Schutzbedürfnis und Bedürfnisse des Einzelnen in der Menge stellen sich einem in den Weg. Die Gedanken mäandern, ich bin bedroht und fasziniert von Brenners Körpern.  Und ich bin erkannt. HEIL hält all diese Überlegungen aus. Als Inszenierung und Installation, in der die Künstlerin sich im Rahmen einer Veranstaltung selbst bewegte, tanzte und ihren eigenen Körper zeigte und somit in die Reihen ihrer Mahner trat, schenkt uns Brenner ein ungeschriebenes Manifest von Ganzheit, Versehrt- und Unversehrtheit, von HEIL.
http://nora-gomringer.de

 

HEIL von Norbert Pfaffenbichler, Künstler, Filmemacher und Kurator

Heil Hitler, Sieg Heil, Berg Heil, Un-heil, Heil-ung, heil-sam, heil-ig, … Die Assoziationskette, die das Vokabel „Heil“ auslöst, ist wohl einzigartig in der deutschen Sprache. Die Spanne reicht dabei von extrem negativ besetzten Begriffen bis zu sehr positiven Konnotationen. Ein solcher Titel für eine künstlerische Arbeit kann nicht anders denn als Provokation verstanden werden. Das Wort ist durch die berühmt-berüchtigte Verwendung als Gruss-Formel im SS-Regime für alle Zeiten global diskreditiert. Die Künstlerin Eva Brenner setzt es noch dazu in Grossbuchstaben und verwendet eine „fette“ Schriftart. Die Typographie „brüllt“ geradezu den Titel metaphorisch in den Raum.

Eva Brenner (*1963) lebt und arbeitet in Nürnberg. Diese mittelalterliche Stadt  schrieb sich in die Geschichte des Drittes Reiches vor allem durch den sogenannten „Nürnberger Parteitag“ ein. Dieser erreichte nicht zuletzt aufgrund des Propagandafilms von Leni Riefenstahl (1902 – 2003) weltweit Berühmtheit. Das betreffende, vom Architekten Albert Speer (1905 – 1981) entworfene „Reichsparteitagsgelände“, wird heute unter anderem als Dokumentationszentrum genutzt.

2014 begann die Künstlerin aus zahlreichen Röntgenbildern, die von ihrem eigenen Körper angefertigt worden waren, Skulpturen zu konstruieren. Die ausgebildete Kostümbildnerin setzte die transparenten Folien zu figurativen Assemblagen zusammen, wobei sie die elastischen Bilder beschnitt und aneinander nietete. Die so entstandenen, asexuellen Torsi, die auch an Schneiderpuppen erinnern, setzte sie jeweils auf drei überlange Stangen aus Metall. Später begann Eva Brenner damit, auch Röntgenbilder anderer Personen zu verarbeiten, die sie von einer aufgelassenen Arztpraxis erwerben konnte.

Die Motive auf den Röntgenaufnahmen setzt sie rein ornamental und nicht dem Körperschema entsprechend ein; Lungenflügel sitzen an Hüften, Schädel auf der Brust, Knie auf dem Rücken usw. Die farblosen Abbildungen aus dem Inneren menschlicher Körper dienen schlicht als (Stoff-)Muster für die hohlen Hüllen. Die Zerbrechlichkeit und Verletzlichkeit der menschlichen Physiologie wird im wahrsten Sinne des Wortes nach aussen getragen. Dabei ist die Wirkung dieser fragilen Objekte überraschenderweise keineswegs makaber oder unheimlich.

Röntgenbilder werden üblicherweise dann aufgenommen, wenn Körperteile verletzt sind, wenn die Einheit und Unversehrtheit des Körpers nicht mehr gegeben ist. Zudem zeigen Röntgenaufnahmen immer nur bestimmte Ausschnitte und nie einen ganzen Menschenkörper. Eva Brenner collagiert die fragmentarische Abbildungen von Frakturen und anderen Verletzungen zu neuen Einheiten, zu schematischen und normierten Körperhüllen. Jede ihrer Figuren ist einzigartig und um diese Individualität noch zu betonen bzw. zu konterkarieren heftet die Künstlerin den Torsi Identifikationsnummern in den Nacken.

Eva Brenner produzierte bis dato insgesamt 71 lebensgrosse Figuren, die sie in zwei Ensembles aufteilt. Die erste Gruppe bildet ein regelmäßiges, quadratisches Raster aus 7 x 7 Figuren, die stramm in Reih und Glied stehen. Diese hermetische Phalanx erinnert nicht von ungefähr an eine militärische Formation. Das Töten und Verletzen gehört wohl zu den Kernaufgaben eines jeden Heeres. Diese gespenstische Armee besteht aus Versehrten, Verwundeten und wieder Zusammengeflickten, aus kopflosen Rümpfen und aus so steifen wie hohlen Uniformen.

Die zweite, aus 22 Figuren bestehende Formation ist eine Nachstellung, quasi ein Re-Enactment des Gemäldes „Die Erschiessung der Aufständischen“ von Francis de Goya (1746 – 1828). Dieses ikonische Werk wurde bereits oftmals von Künstlern wie Eduard Manet, Otto Dix, Pablo Picasso und vielen weiteren paraphrasiert, aber niemals zuvor so kalt, schematisch und ent-individualisiert wie von Eva Brenner.

Der vermeintliche, zum Tode verurteilte Delinquent sticht aus dem Ensemble heraus. Diese Figur besteht aus purem Gold und steht in direkter Opposition zu den anderen. Das Erschiessungskommando steht linear aufgereiht mit dem Rücken zum Publikum. Am Boden stehen und liegen noch weitere Torsi. Zusätzlich sind noch braune Verpackungs-Kartonagen aufgestellt, die mit dem titelgebenden Schriftzug „HEIL“ versehen sind. Diese siebbedruckten Boxen stellen eine weitere kunsthistorische Referenz dar, und zwar auf die Pop-Art-Legende Andy Warhol.

Eine von der Künstlerin angestrebte Aufstellung der begehbaren Figurenkonstellationen in der sogenannten „SS-Kaserne“ in Nürnberg wäre einfach grandios. Die ehemalige Kaserne liegt noch dazu in unmittelbar Nachbarschaft des Nürnberger Amts für Migration. Die raumfüllende Installation von Eva Brenner spannt einen assoziativen Bogen von einer traumatischen Vergangenheit in eine unsichere Gegenwart und eine ungewisse Zukunft. Die nach aussen getragenen Wunden und Verletzungen aus dem Körperinneren werden wortwörtlich zum „(Roh-)Stoff“ für befremdliche Uniformen, für glänzende Körper-Panzer und leere Exo-Skelette.

Die martialischen Formationen des Figurenensembles und der provokante Titel des Werks sind unmissverständliche Hinweise auf die Schreckensherrschaft der Nazis und den 2. Weltkrieg. Soziale Heil-ungsprozesse in Gang zu bringen ist nur möglich, in dem man sich der Vergangenheit stellt, auch wenn dies schmerzlich und belastend ist und die Kunst leistet hierbei von jeher einen wesentlichen Beitrag, in dem sie provoziert und die Finger in nicht verheilten Wunden legt. Eva Brenners Installation besticht gleichermassen auf der ästhetischen Ebene durch die edle Ausführung, so wie auch konzeptuell mittels der vielfachen historischen, sozialen und politischen Bezüge. Josef Beuys (1921- 1986) Aufforderung „Zeige deine Wunde“ wird in diesem Ensemble von „Schmerzens-Gestalten“ gleichsam multipliziert, Verletzungen erscheinen wohin man blickt. Ein hilfloses Heer aus kopf- und armlosen Versehrten steht metaphorisch ein für die Schmerzen der Einzelnen, so wie die der Gesellschaft.
http://www.norbertpfaffenbichler.com